Robin Pesca im Interview

Robin Pesca
Foto: Peter Stark

Nach unserem ersten Interview auf angeldealz.de, bei dem wir den Oderspreeangler mit Fragen belöchert haben, folgt nun endlich das nächste Interview. Vor kurzer Zeit sind wir auf Facebook auf einen sehr interessanten Beitrag von Robin Pesca gestoßen, den wir letztendlich auch geteilt haben – dieser wird auch Teil des Interviews sein.

Da Robin vielleicht dem einen oder anderen von euch bereits bekannt ist und er in der Angelszene inzwischen recht aktiv ist, haben wir kurzerhand bei Robin nachgefragt, ob er denn Lust hätte, ein paar Fragen zu beantworten. Flott hat es mit dem Beantworten der Fragen geklappt und nun wünschen wir euch viel Spaß beim Lesen des Interviews!

Das Interview mit Robin Pesca

1. Hi Robin! Cool, dass das mit dem Interview klappt. Lass uns gleich mit den ersten Fragen loslegen. Seit wann angelst Du und wie bist Du überhaupt zum Angeln gekommen?

Robin: „Da unterscheide ich mich nicht von 99% aller Angler. Soweit ich mich zurückerinnern kann, sehe ich mich mit einer Rute am Wasser. Meine Eltern, mein Onkel, meine Tante, mein Nachbar, einer der besten Freunde meines Vaters. Irgendwie hatte jeder um mich herum zumindest im kleinen Maße etwas mit Angeln am Hut.“

2. Auf was angelst Du am liebsten und wieso?

Robin: „Wenn ich mich für eine Art entscheiden müsste, dann wäre es zu 100% die Atlantische Forelle. Damit meine ich dann auch alle Standortformen, d.h. Bach-, See- und Meerforelle. Ich finde es einfach faszinierend, welche komplett unterschiedlichen Fressverhalten Forellen in ein und demselben Gewässer pflegen. Dazu kommt noch die Einzigartigkeit jedes Individuums. Außerdem finde ich, gibt es wenige Orte, welche mich mehr entspannen, als ein vollkommen naturbelassener Bach. Eisvogel, Wasseramsel, Biber und Co. Angeln ist, auch wenn es eventuell immer wieder geheuchelt klingt, mehr als nur Fische fangen.

Lieblingsfisch Salmoniden

Allerdings widme ich mich nur zu wenigen Wochen im Jahr dieser Art, welche sich meistens auf die Tage nach und vor der Schonzeit konzentrieren. So halte ich es z.B. für vollkommen unfair, bei hohen Wassertemperaturen auf Salmoniden zu angeln, da diese durch die Umstände schon gestresst genug sind.

Mir wird sehr schnell „langweilig“ – oder anders gesagt: Ich mag die Routine nicht. Deshalb suche ich mir meinen Zielfisch je nach Wetter und Jahreszeit ständig neu aus. Sind es im Herbst und Winter eher die klassischen Räuber, befische ich im Sommer unsere räuberischen Cypriniden, Rapfen und Döbel, welche die Hitze lieber haben und deutlich besser vertragen. Ich kann alle Arten gut leiden und wenn es eine Möglichkeit gibt, sie zu fangen, warum nicht?“

3. Gibt es eine Angelmethode, die es Dir am meisten angetan hat, wie zum Beispiel das Fliegenfischen? Oder würdest Du dich als Allrounder bezeichnen?

Robin: „Ich war früher nur mit der Spinnrute unterwegs und habe das auch am liebsten gemacht. Irgendwann kam das Jerken dazu und so kam ich in Kontakt mit Baitcastern/Multirollen. Ich muss aber sagen, alles außer Bigbaits schmeiße ich weiterhin mit der Spinning. Das leichte Angeln mit der Baitcaster ist nicht meins. Aber man soll ja nie „nie“sagen.

Seit einigen Jahren bin ich auch oft mit der Fliegenrute unterwegs, was mir super viel Laune macht. Die Technik, die ultra natürliche Imitation eines Insekts, die direkte Verbindung zum Fisch und das schonende Angeln. Ich finds einfach geil!

Robin Pesca Freunde

Und wenn du mich fragst, ob ich eine eine bevorzugte Angelmethode habe: Ja! Das Topwaterangeln ist einfach unglaublich spannend. Egal ob mit Stickbaits auf Rapfen oder mit der Trockenfliege auf Forelle.“

4. Du bist ja auch bei „lachsprojekt.de“ aktiv. Würdest Du uns kurz das Projekt vorstellen und vielleicht ein wenig erzählen, was Du dabei genau machst bzw. schon gemacht hast?

Robin: „Es dreht sich dabei um das Projekt LACHS2020, welches nach dem Sandoz-Unglück 1986 ins Leben gerufen wurde (damals noch LACHS2000). Tausende Aale und andere Fische wurden durch das Löschwasser getötet und die Empörung in der Bevölkerung über den Zustand des Rheins erreichte ihren Höhepunkt. Bis ins Jahr 2000 sollte eine sich selbst reproduzierende Population des Atlantischen Lachses im Rheinsystem erreicht werden. Dazu ist es natürlich zwingend nötig, die Wasserqualität zu verbessern, die Gewässer naturnah zu renaturieren und eine lineare Durchgängigkeit zu schaffen.

Das Projekt wird in Hessen und RLP vom BFS (Büro für fisch- und gewässerökologische Studien) unter Leitung von Hr. Dr. Jörg Schneider umgesetzt. Er ist einer der “Lachsvorreiter” schlechthin und hat sich diesem Fisch komplett verschrieben.

Robin Pesca Papa

Wenn ich Zeit habe, helfe ich ehrenamtlich wo ich kann. Meist ist das der Besatz von Junglachsen oder eine Unterstützung bei der Rückkehrerbefischung zur Laichzeit. Ansonsten kommuniziere ich das Projekt über die Sozialen Medien, Artikel oder Messevorträge in die Öffentlichkeit und hoffe so, Unterstützer oder Akzeptanz in der Gesellschaft für solche Naturschutzprojekte zu finden.“

5. Du hast Biowissenschaften in Frankfurt studiert. Hast Du das Studium auch wegen der Verbundenheit als Angler zur Natur gewählt oder war das eher nebensächlich? Spielten Fische und deren Ökosysteme in deinem Studium eine zentrale Rolle, sodass Du vielleicht auch tiefere wissenschaftliche Einblicke in die Thematik bekommen hast, als dies bei den meisten Anglern der Fall ist bzw. war?

Robin: „Mein Studium der Biowissenschaften war eher ein Einblick, denn lang gedauert hat es nicht. Ich hatte während meines Abiturs bereits mit dem Gedanken gespielt, mir mal etwas Zeit für mich zu nehmen. Allerdings habe ich einen Studienplatz bekommen und mich dann dafür entschieden. Dass dies ein Fehler war, habe ich schnell gemerkt und mich dann mir selbst gewidmet.

Momentan befinde ich mich in einer „Plan B-Ausbildung“ zum Physiotherapeuten. Ich habe selbst im Jugendbereich hochklassig Fußball gespielt und mich deshalb dazu entschieden. Ich merke aber, dass mir der Naturaspekt sehr fehlt und deshalb werde ich ab Oktober wieder ein Fach im Natur-/Umweltbereich studieren. Es wird dann hoffentlich einen großen Aspekt der Gewässer und Unterwasserwelt beinhalten, denn hier fühle ich mich einfach wohl. Ich möchte der Natur etwas zurückgeben und etwas ändern. Denn so, wie es momentan ausschaut, kann es nicht weitergehen. Wir müssen uns alle selbst in die Pflicht nehmen. Und sei es nur, den Zigarettenstummel nicht aus dem Autofenster zu werfen oder ein Weg mehr mit dem Fahrrad zu fahren.

Durch mein Interesse und meine Aktivität für das BFS bekomme ich allerdings einen tieferen Einblick in die Thematik als der „Otto-Normal-Angler“, wobei das in keinster Weise negativ gemeint ist.“

Robin Pesca Portrait

6. Ansonsten bist Du ja auch in der Angelszene sehr aktiv, wie bereits teils angerissen. Erzähl doch unseren Lesern einfach mal kurz, was Du sonst noch so machst und vielleicht auch wie Du dazu gekommen bist.

Robin: „Ohne die sozialen Medien und allen voran Facebook wäre das so nicht geschehen. Nachdem ich einige Accounts gesehen habe, die sich ausschliesslich um das Angeln drehten, habe ich mir auch solch einen erstellt. Es ist unglaublich, wie schnell man Gleichgesinnte aus ganz Deutschland und auch anderen Ländern findet. Ich hätte nie gedacht, dass sich so echte Freundschaften ergeben. So habe ich einen meiner mittlerweile besten Kumpels kennengelernt.

Angefangen hat alles mit Dicht am Fisch. Über Nico, einen Freund aus dem Schwarzwald und auch „DaFfer“, habe ich den Kontakt zu Sören bekommen. Ich hatte Lust, ab und zu und ungezwungen ein paar Storys aus meinem jungen Angelleben zu erzählen. Die Jungs waren mir direkt sympatisch und mittlerweile sieht man sich jedes Jahr. Sei es in deren HQ in Hamburg oder z.B. auf Fünen in Dänemark, wo wir letztes Jahr eine Woche im Frühjahr zum Meerforellenangeln verbracht haben. Mittlerweile haben die Jungs ja auch einen schönen Shop mit straßentauglichen Klamotten und anderem Zeug, was man als Angler natürlich auf jeden Fall braucht.

Über Sören bin ich auch dazu gekommen, dieses und letztes Jahr auf der BOOT in Düsseldorf vertreten zu sein. Kindern und Neueinsteigern das Angeln näherzubringen und sowohl Anglern als auch Nichtanglern über die Arbeit mit dem Lachs zu informieren ist schon eine schöne Möglichkeit, die einem da geboten wird. Mit all den Leuten, die dort sind, sind es immer ereignisreiche Tage.

Seit mehreren Jahren unterstütze ich Nippon-Tackle auf Messen, nachdem ich durch sie das erste Mal mit modernem Japantackle in Berührung kam. Da auch hier die Chemie stimmt, das Unternehmen nicht weit von mir seinen Standort hat und bis auf Guido die meisten Jungs aus der Nähe kommen, haben wir es letztes Jahr dingfest gemacht. Seitdem bin ich also für Nippon als Teamangler unterwegs.

Fishwaterpictures Instagram

Vor kurzem habe ich den Instagram-Account „fishwaterpictures“ ins Leben gerufen. Hierbei soll es vor allem um den schonenden Umgang mit Fischen gehen, welche wir – aus welchen Gründen auch immer – releasen wollen. Dazu gehört auch das Erinnerungsfoto! Ich mag Perspektiven im Wasser und Close-Ups von Details.“

7. Was verbindest Du mit dem Thema „Angeln“, wenn Du es in Worten beschreiben müsstest?

Robin: „Natur und Naturschutz, Freunde und Freude, Freiheit und Verpflichtungen und natürliches selbstgefangenes Essen.“

8. Vor einigen Tagen haben wir auf Facebook einen deiner Beiträge geteilt, in der es unter anderem um die Außendarstellung von uns Anglern in der Öffentlichkeit geht. Den Beitrag bauen wir euch hier unterhalb der Frage mit ein, falls Ihr ihn noch nicht gesehen habt. Würdest Du unseren Lesern nochmal kurz und knapp erläutern, warum genau diese Außendarstellung deiner Meinung nach so wichtig ist?

ZUM BEITRAG


Robin:
„Das Bild der Angler in der Öffentlichkeit ist im Grunde genommen noch genauso wie früher. Erzähle ich Freunden, dass ich angle, sieht mich jeder im grünen Bundeswehrparka mit Gummistiefeln und einem Wurm am Haken am Wasser sitzen. Wenn ich sie dann aber aufkläre, wie modern Angeln heutzutage sein kann und was wir an Gewässerpflege und Naturschutz leisten, sind die meisten erstaunt. Leider verbreiten sich negative Sachen viel schneller im Internet als positive Dinge. Und in einer Zeit, in der wir von allen Seiten unter Beschuss stehen, müssen wir noch viel mehr darauf achten, wie wir uns nach außen präsentieren.

Wir müssen uns geschlossen präsentieren. Da muss sich jeder von uns in die Pflicht nehmen und sich einbringen. Wir brauchen sinnvolle „Kampagnen“, die gut darstellen, was wir für eine große Rolle im Naturschutz spielen. Wir müssen Naturschutzverbände (welche auch wirklich sinnvollen, realistischen Naturschutz betreiben und sich nicht nur nackt in Frankfurt auf der Zeil räkeln), Politiker und Nicht-Angler mit in ein Boot holen und davon überzeugen, dass unsere positiven Seiten den wenigen negativen deutlich überwiegen.“

9. Letzte Frage, kurz und knapp: Angel-Kanäle auf YouTube – Fluch oder Segen?

Robin: „Sowohl als auch!“